Kais aufwerten: Mehr Lebensraum entlang der Mur

Die innerstädtischen Kaistraßen – Kaiser-Franz-Josef-Kai, Marburger Kai, Lendkai und Grieskai – sind heute stark vom Autoverkehr dominiert. Ein- bis zweispurige Vorrangstraßen mit Tempo 50 führen mitten durch das historische Zentrum. Das schafft Barrieren, verursacht Lärm und Luftbelastung und lässt dem Zufußgehen und Radfahren kaum Platz. Geh- und Radflächen sind oft zu schmal und wenig komfortabel, sichere Querungen sind rar.

Gleichzeitig bleibt die Mur trotz ihrer zentralen Lage kaum erlebbar. Der Höhenunterschied zum Fluss und wenige, ausschließlich über Stufen erreichbare Zugänge trennen Stadt und Wasser.

Die Kais als urbane „Waterfront“ neu denken

Die Kais bieten enormes Potenzial für die Stadtentwicklung. Internationale Beispiele wie Paris, Marburg oder Ljubljana zeigen, wie Flussräume durch Verkehrsberuhigung und Umgestaltung zu lebendigen Stadträumen werden können. Auch in Graz sollen die Kais schrittweise zu Orten des Gehens, Radfahrens, Spielens und Verweilens werden.

Konkret bedeutet das: mehr Platz für aktive Mobilität, reduzierte Geschwindigkeiten (Begegnungs- oder Fußgängerzonen mit 5–20 km/h), neue Sitzgelegenheiten, zusätzliche Begrünung und bessere Zugänge zur Mur – etwa über breite Stufen oder Aufenthaltsbereiche am Wasser. Die Erreichbarkeit von Parkgaragen sowie die Zufahrt für Anrainer:innen bleiben dabei gewährleistet.

Ganzheitlich planen, nachhaltig umsetzen

Eine Aufwertung der Kais erfordert ein gesamthaftes Verkehrskonzept, um Verlagerungseffekte gut abzufangen. Ziel ist eine Lösung, die Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und Mobilität zusammendenkt – mit weniger Autoverkehr, mehr Beschattung und einem klaren Fokus auf den Umweltverbund.

Der Nutzen

Für die Stadt entstehen neue, attraktive Aufenthaltsflächen im Zentrum. Die Kais werden klimaresilienter, lebenswerter und stärken den Modal Shift hin zu umweltfreundlicher Mobilität.

Für die Bürger:innen wird die Mur als urbaner Erholungsraum erlebbar. Die Nord-Süd-Verbindung für das Gehen und Radfahren wird deutlich verbessert – sicherer, ruhiger und mit mehr Platz zum Verweilen.