Straßen, Plätze und Parks prägen unser tägliches Stadtbild – und erzählen, wen wir als Gesellschaft ehren. In Graz sind diese Geschichten bis heute überwiegend männlich. Frauen, die die Stadt in Politik, Wissenschaft, Kultur, Pflege oder im Widerstand geprägt haben, bleiben oft unsichtbar.
Mehr Frauen im Grazer Stadtbild
Die Benennung von Straßen und Plätzen erfolgt durch Beschluss des Gemeinderats. Die Grazer Stadtregierung hat daher bereits im letzten Regierungsprogramm klar festgelegt:
Neubenennungen von Straßen und Plätzen sollen bis auf Weiteres ausschließlich nach Frauen erfolgen.
Das ist ein einfacher, aber wirksamer Schritt für mehr Gleichstellung und historische Gerechtigkeit.
Wo Graz heute steht
Trotz erster Fortschritte ist der Anteil der nach Frauen benannten Straßen und Plätzen weiterhin sehr niedrig:
- 2021: rund 6,2 %
- 2025: rund 7 %
Konkret bedeutet das:
- 738 Verkehrsflächen tragen Männernamen
- nur 56 sind nach Frauen benannt
Damit gibt es in Graz sogar mehr Flur- und Tiernamen als Frauennamen.
Entnazifizierung von Straßennamen: Verantwortung im öffentlichen Raum
Die Frage, wer geehrt wird, ist auch eine Frage historischer Verantwortung. Deshalb überschneidet sich das Projekt „Straßen nach Frauen benennen“ bewusst mit der Entnazifizierung belasteter Straßennamen.
Die Expert:innenkommission Straßennamen (EKSN) hat alle personenbezogenen Straßennamen geprüft:
- 20 gelten als sehr problematisch
- 80 weitere als problematisch
Bis Sommer 2025 wurden bereits vier Straßen umbenannt – alle nach Frauen, meist aus dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Ein verfassungsrechtliches Gutachten (2025) stellt klar: Aus dem österreichischen Staatsvertrag ergibt sich die Verpflichtung für Gemeinden, Ehrungen von NS-belasteten Personen zu beenden. Sehr problematische Straßennamen sollen daher schrittweise ersetzt werden.
Geschichte neu erzählen – im Dialog
Umbenennungen stoßen manchmal auf Widerstand. Dieser wird ernst genommen. Gleichzeitig gilt: Geschichte wird nicht ausgelöscht, sondern neu eingeordnet. Information, Zusatztafeln und Dialog begleiten diesen Prozess.
Unser Ziel: Ein gerechtes Graz – auch im Stadtplan
Straßen nach Frauen zu benennen und belastete Namen zu ersetzen, ist kein Symbolakt, sondern ein konkreter Beitrag zu:
- Gleichstellung
- historischer Verantwortung
- Sichtbarkeit weiblicher Leistungen